manuelle Reinigung

Im vorangegangen Teil „chemische Reinigung“ haben wir die Reinigung der Ansaugwege mit einem chemischen Reiniger beschrieben, nun kommen wir zur Erklärung der „manuelle Reinigung“. Vor jeder Reinigung führen wir eine Leistungsmessung durch, um das Drehmoment und die Leistung des Motors zu definieren. Anhand der erzielten Werte können wir dann zusammen mit dem Besitzer des Fahrzeuges entscheiden, welche Reinigung sinnvoll ist. Bei Leistungsdifferenzen von mehr als 20 PS zur Serienleistung sollte auf jeden Fall eine manuelle Reinigung durchgeführt werden. Anhand des Drehmomentverlaufes kann man deutlich sehen, wie stark die Motoren verkokt sind. Viele Motoren haben bei niedrigen Drehzahlen zwar noch relativ viel Drehmoment, welches dann aber mit steigender Drehzahl deutlich und stark abnimmt. Das hat damit zu tun, dass bei geringen Drehzahlen die Geschwindigkeit der Luftsäule vor Einlassventil und damit die Verluste durch die Verkokung noch recht gering sind. Bei hohen Drehzahlen nehmen jedoch die Verluste auf Grund der deutlich schnelleren Luftsäule zu und dadurch werden die Füllung und das Drehmoment geringer. Motoren mit Aufladung können die Verkokung kaschieren, in dem die Füllung/Ladedruck angepasst wird. Daher streuen diese Motoren auch nicht oder nur selten nach unten wie die RS4 B7 Sauger Motoren. 

 

Als Beispiel dient ein RS4 B7 mit einer Laufleistung von etwa 130 tkm, der durch die Verunreinigungen eine Leistung von 359,9 PS und 379,5 Nm, anstatt der Serienleistung von 420 PS und 430 Nm erzielt hatte. Leistungsdiagramme seht Ihr weiter unten.

 

Um alle Bauteile der Ansaugung reinigen zu können, fangen wir mit der Demontage der Saugbrücke an.

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Nachdem nun das Saugrohr demontiert ist, werden die Luftführungen des Schaltsaugrohrs demontiert, die meist mit einer 1-2 mm dicken Schicht überzogen sind. Diese Teilen den Luftstrom je nach Schaltzustand in einen kleineren Querschnitt, um die Luftgeschwindigkeit im Schichtbetrieb zu erhöhen und damit den Tumble zu verstärken.

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Wenn die Luftführungen und das Saugrohr demontiert sind, kann man die Verunreinigungen an den Einlassventilen in Augenschein nehmen. Der gesamte Ansaugquerschnitt ist durch den Ölschlamm, der sich in verschiedene Phasen aufteilt, verengt. Die Ölschlammschicht baut sich mit der Zeit auf und besteht an der Oberfläche aus öligem Schlamm, der eine weiche Konsistenz besitzt. Darunter sitzt eine härtere Schicht, dessen Aggregatzustand eher als fest zu definieren ist. Diese Schicht ist das „gecrackte“ Öl, welches seinen Zustand ändert, wenn der Öl Nebel aus der Kurbelwellenentlüftung mit den heißen Abgasen der internen Abgasrückführungen zusammentrifft. Diese Schicht lässt sich nur durch eine manuelle/mechanische Reinigung entfernen. Dabei wird die Verunreinigung mit Hilfe von weichen Werkzeugen zuerst abgeschabt, um dann in weiteren Schritten abgesaugt und mit Hilfe von Bürsten weiter zu reinigen.

 

zerlegte Ansaugbrücke mit gesammeltem Öl aus der Kurbelwellenentlüftung:

Verkokung in den Ansaugwegen bei einem Fahrzeug mit 130 tkm Laufleistung:

Verkokung

 

 

 

Abgeschabte Verunreinigung nach Schritt 1 der Reinigung

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gereinigte Luftführung vor dem Einlassventil:

 

 

gereinigte Ansaugwege in der Ansaugbrücke:

gereinigtes Einlassventil und Ansaugquerschnitt:

 

Im direkten Vergleich:

Nach der Reinigung und der Montage aller Bauteile werden die Lernwerte, die auf Grund der Verunreinigungen natürlich völlig falsch angelernt sind, gelöscht und eine Probefahrt durchgeführt. Bei dieser Fahrt lässt sich schon ein sehr großer Unterschied im Motorleerlauf und der Performance feststellen. Nach der Probefahrt wird eine weitere Leistungsmessung durchgeführt. Das Beispielfahrzeug hatte nach unserer Reinigung eine Leistung von 415,9 PS und 439,6 Nm. Diese Werte sind für einen RS4 B7 vollkommen in Ordnung. Wir haben schon einige Fahrzeuge direkt nach der Reinigung vermessen und Leistungen je nach Kilometerlaufleistung von 405 bis 415 PS gemessen. Die Drehmomente reichen dabei von 425-440 Nm etwa.

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Messung der Leistung vor der manuellen Reinigung:

Messung der Leistung nach der Reinigung:

Durch eine Optimierung der Motorsoftware mit Änderung der Drosselklappenöffnung, Zündung und Gemischbildung des Motors, kann die Leistung des Motors weiterhin erhöht werden. Weiterhin wurden die Vorkats ausgebaut. Dies verringert den Abgasgegendruck und erhöht dadurch die mögliche Leistung.

Messung der Leistung nach Softwareoptimierung: